Beiträge

Pflege im Funktionsdienst verdient mehr!

BOCHUM. Wenn Gesellschaft, Medien und Politik von oder über „Pflege“ reden und berichten, ist meistens von der sogenannten „Pflege am Bett“ die Rede. Seit der Corona Pandemie steht vor allem die Intensivpflege stark im Fokus. Auch wenn es um Bereiche der Personaluntergrenzen (PPUGV), Pflege – Patientinnen und Patienten – Ratio oder dem Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PSG) geht, ist ausschließlich die Pflege in der stationären Patientenversorgung gemeint.

Die Kliniklandschaft beinhaltet einen Bereich der Pflege, der kaum oder wenig Beachtung findet, da er hinter verschlossenen Türen und für die meisten Patienten und Patientinnen nicht merklich stattfindet. Und deswegen auch gerade für die Politik offenbar nicht existent ist. Die sogenannte Pflege in den Funktionsdiensten beinhaltet den Operationsbereich, die Endoskopie sowie die Anästhesie. Personen, die beispielsweise operiert werden, sprechen vor dem Eingriff mit Chirurg*innen zur OP-Aufklärung und mit Anästhesist*innen zur Narkosevorbereitung. Pflegepersonal beispielsweise aus dem OP sehen Patient*innen nicht. Sie werden auch nicht über die pflegerisch- notwendigen Maßnahmen, die „intraoperativ“ ablaufen aufgeklärt. Tatsache ist: In diesem Bereich arbeitet hochqualifiziertes Pflegepersonal, welches eine 5-jährige Fachausbildung durchläuft.

Pflege in den Funktionsdiensten ist anspruchsvoll, wird häufig im Zusammenhang mit den nötigen Pflegereformen vergessen. Wohl auch, weil hier fälschlicherweise angenommen wird, es handle sich eher um Assistenztätigkeiten für Mediziner*innen als um einen eigenständigen professionellen Bereich der Pflege. „Ist es weniger Pflege, wenn Patient*innen in Narkose sind? Gerade in Narkose sind Betroffene schutzlos und es bedarf intensiver Pflege, um sie vor Gefahren, wie einem Dekubitus oder einem Sturz zu schützen und das alles, prä-, intra- und postoperativ. Eine pflegerische Höchstleistung.“, betont Manuela Konrath, Fachkrankenschwester für den Operationsdienst. „Gerade im Bereich der Prophylaxen unterscheidet sich unsere Arbeit in keiner Weise von der direkten ‘Pflege am Bett’. Zumal die Patientinnen und Patienten darauf angewiesen sind, dass wir unsere Arbeit sehr gewissenhaft und fachlich korrekt durchführen, denn sie haben keine Möglichkeit regulierend einzuwirken.” ergänzt Manuela Konrath.“

Die Funktionspflege fällt weiterhin in die Diagnosis Related Groups (DRGs) und findet sich nicht einem Pflegebudget wieder. „Ich verstehe nicht warum hier unterschieden wird!“, fragt Manuela Konrath. „Die Funktionspflege unterliegt somit weiterhin einem starken Druck durch geringen Personaleinsatz Gewinne zu erzielen. Die Funktionspflege muss hier dringend im Pflegebudget berücksichtigt werden.“, fordert die Fachkrankenschwester. „Wir sind keine assistierenden Hilfskräfte für ärztliches Personal! Wir gehören zur eigenständigen Berufsgruppe der professionellen Pflegenden! Für uns steht der Schutz, die Sicherheit und die bedarfsgerechte Versorgung der Patient*innen an erster Stelle.“

Gesundheitsminister Jens Spahn setzt ebenfalls auf technisches Assistenzpersonal. So verwies er jüngst auf einer Veranstaltung von großen Klinikbetreibenden darauf in Zukunft mehr auf das Berufsbild der Operationstechnische Assistenz zu setzen. Das bedeutet nichts Geringeres als die mittel- bis langfristige Abschaffung von professioneller Pflege in den OP- Abteilungen und das zum Nachteil der zu Pflegenden. Denn professionelle Pflege übernimmt auch im OP – Saal die Rolle des Advokaten für die Patient*innen. Das wird nicht mehr möglich sein, da OTAs in einen Hierarchiekonflikt geraten können. Denn professionelle Pflegekräfte unterstehen nicht dem ärztlichen Personal und sind jeder Zeit dazu berechtigt Bedenken in der Behandlung zu äußern. Bei ärztlich unterstelltem Personal wird die Hürde, Bedenken zu äußern, unüberwindlich.